China-Flash

Von Staebchen, neugierigen Blicken und chinesischen Toiletten
 

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Kein Internet.

Hallöchen,

ihr habt jetzt eine ganze Weile nichts von mir gehört - leider hatte ich die letzte Zeit meiner Reise über kein Internet mehr, weswegen ich keine Blogbeiträge verfassen konnte und einige schon dachten, sie müssten jemanden zum Retten nach China schicken. Dem war zum Glück nicht so. Gestern abend sind wir dann nach einiger Verspätung und Turbulenzen auf dem Flug von Amsterdam nach Hamburg in Deutschland angekommen.

Demnächst melde ich mich nochmal mit ein paar letzten Reiseberichten, im Moment bin ich noch ein wenig müde.

Herzlichst


Johanna

1 Kommentar 5.11.10 22:26, kommentieren

Kampfkunst \\ Hailan \\ Lotus \\ Erste Bilder.

Nǐhǎo,

eigentlich habe ich diesen Beitrag schon einmal geschrieben, allerdings wurde der urplötzlich aus unerfindlichen Gründen gelöscht. Verdammt. Also nochmal:

Heute war unser erster "Schultag". Um 07.20h gings los. Erst noch eine Weile ahnungsloses Herumsitzen, dann die Auswahl: Mathe oder Englisch? Mathe natürlich, juhu. Im Wesentlichen unterscheidet sich der chinesische Unterricht nur durch die Sprache und mehr Frontalität vom deutschen. Außerdem müssen die Schüler richtige Antworten und Merksätze alle gemeinsam im Chor wiederholen. Der Einzelne wird nicht gefördert und niemand darf Fragen stellen. Ansonsten wirkte zumindest der Mathe-Unterricht unter anderem durch eine PowerPointPräsentation recht locker - vielleicht aber auch nur zum Vorführen, man weiß es nicht.

Es folgte eine Probeeinheit Kampfkunst extra für uns Deutsche. Nach einigem Rätseln kamen wir darauf, dass wir chinesisches Kung Fu machten. Sehr interessant, wenn auch eigentlich nicht so mein Fall. Dabei wurden wir dann das erste Mal von einem Kamera-Team gefilmt und teilweise interviewt. Lars und Jesko sind jetzt wohl chinesische Fernsehstars.

Dann ging es zu der berühmten chinesischen Bekleidungsproduktionsgesellschaft Hailan. Die Jungs durften dort auch gleich mal ein paar Anzüge anprobieren, wobei Herr Krause größentechnisch ein kleines Problem hatte - in China ist man nunmal nicht so groß. Auch die Hailan-eigene Pferde-Rennbahn inklusive Trainingsanlage, Garten- und Teichanlagen, Shops usw. und das alles in europäischem Stil wurden uns nicht vorenthalten. Von da an fing es an, sehr sehr kalt zu werden, weshalb wir alle froh waren, irgendwann wieder zur Schule zurückgebracht zu werden. Da haben Jesko und ich dann noch schnell an unserer Abschlussnummer gefeilt und dann kam auch schon mein Gastbruder um mich abzuholen. Ich würde seinen Namen ja gerne aufschreiben aber er ist zu kompliziert. ;D

Wieder zu Hause habe ich dann erstmal alle meine Fotos auf meinen USB-Stick überspielt - wenn das also hier irgendwann mal klappt, werdet ihr bald Bilder sehen können, wenn auch nicht viele (das Hochladen dauert immens lange). Bin schon am rumprobieren. Leider dauert das hier gerade Ewigkeiten lang - ich hasse chinesisches Internet. Was hat die Regierung zu interessieren, mit welcher Suchmaschine ich unterwegs bin? Die Fotos habe ich dann gleich auch alle meinem Gastbruder gezeigt und außerdem versucht, ihm "Achmed, the dead terrorist" näherzubringen, allerdings reicht dafür sein Englisch noch nicht aus und ein Video mit chinesischen Untertiteln habe ich noch nicht gefunden. YouTube funktioniert hier ja nicht. *huestel* "Silence! I kill you!" fand er allerdings lustig. Dann gab es Dinner und ich habe zum ersten Mal in meinem Leben Lotus gegessen! Schmeckt wie Kartoffeln - nicht schlecht. Dann ist diese Pflanze also doch noch zu etwas gut, außer Wasser abperlen zu lassen und damit der Wissenschaft als Vorbild zu dienen und irgendwo als Schmuck herumzustehen. Very good. Im Mit-Stäbchen-Essen bin ich mittlerweile übrigens Meisterin. Hihi.

Wǎn'ān,

Johanna

25.10.10 16:19, kommentieren

Quallen!! \\ Riesenpilze \\ 'Second home' \\Tippprobleme.

Hallo aus dem 'Second home'!

Wollte nur kurz berichten, dass man mir doch tatsaechlich heute beim Abendessen Quallen angeboten hat! Natuerlich als besondere Delikatesse. *huestel, wuerg* Musste ich aber nicht essen, Hu Nanxing mag die zum Glueck auch nicht und ihr Papa war schon im Westen und wusste, dass das dort nicht so ueblich ist. Dafuer mochte ich dann die beruehmtberuechtigten und von mir sehr gefuerchteten Riesenpilze nicht ablehnen. Naja, was muss, das muss. War zwar nicht so der Hammer, da ich sowieso nicht gerne Pilze esse, aber jetzt gehts mir wieder besser. Es lebe der Champignon. :D

Ausserdem bin ich jetzt endlich im 'Second home' angekommen. Ist gar nicht so schlimm wie nach Andeutungen der Familie befuerchtet. Habe zwar kein eigenes Bad mehr, mein Bett hat keine Matratze sondern ist wie hier eigentlich ueblich hart, aber dafuer habe ich einen besseren Laptop zur Verfuegung (sogar mit SD-Karten-Schlitz - d.h. ich werde demnaechst Bilder online stellen, leider ist aber auch die Tastatur staendig am wechseln von Mandarin zu englischer Schreibweise und zurueck und manchmal werden dann auch noch Woerter irgendwie ergaenzt, also werde ich das tun, wenn ich mehr Zeit habe) und der Weg zur Schule ist ca. eine Stunde kuerzer. Man kann nicht alles haben. Und die zweite Omi ist auch sehr nett. Ob ihr Mann schon tot ist? Gesehen habe ich ihn jedenfalls noch nicht. Waere irgendwie traurig, so alt ist sie glaube ich noch nicht. Fruechte und alles was mir sonst so angeboten wird sind uebrigens gleich geblieben.

So, ich gehe jetzt mal ins Bett - morgen um halb sechs (jaa, morgens) aufstehen. Und es ist immerhin schon 23.08h.

Wǎn'ān

Johanna

24.10.10 17:12, kommentieren

Freche Fruechtchen.

Ich bins nochmal kurz,

da mir gerade langweilig ist, dachte ich mir ich zeige euch einfach mal, was ich denn bisher unter anderem so kennengelernt habe. Dazu gehoert eine Vielzahl von Fruechten, deren Namen ich auch erstmal ergoogeln musste, da sie meiner Familie nur auf chinesisch bekannt sind.

Da haetten wir:

(Bild aus rechtlichen Gründen vorübergehend entfernt)

(Rambutan, erst wird die 'Schale' mit der Hand aufgebrochen und entfernt, dann wird das Innere verzehrt - sehr sehr lecker)

(Bild aus rechtlichen Gründen vorübergehend entfernt)

(Drachenfrucht, die kennt wahrscheinlich jeder, man isst nur das schwarzweisse Innere)

und - last but not least - auch noch

(Bild aus rechtlichen Gründen vorübergehend entfernt)

(Chinesische Dattel, einfach reinbeissen und los gehts)

Soo, ich hoffe ihr hattet Spass auf unserer kleinen Fruchtexkursion. Alle drei Fruechte sind wirklich sehr zu empfehlen. Habe mich auch schon gefragt, warum es in China so viele Schalenfruechte gibt. Vielleicht aus gesundheitlichen Gruenden. Oder einfach weil sie so lecker sind und hier wachsen.. Man weiss es nicht. Uebrigens ist es hier schon dunkel geworden, obwohl es noch nicht einmal 18h ist (17.48h ums genau zu sagen). Es geht jeden Abend schneller.

Ich melde mich spaeter wieder von der Fruchtfront

Johanna

4 Kommentare 24.10.10 11:48, kommentieren

Western Restaurant \ USB-Kabel \ Orangen.

Nǐhǎo,

wir waren doch tatsaechlich in einem westlichen Restaurant. Und zwar sehr westlich: Ein Steakhouse. Das war insofern ganz lustig, dass ich allen zeigen konnte, wie man mit Messer und Gabel isst. Weil meine Gastmama und mein Gastpapa nicht so ganz auf den Geschmack gekommen sind und weil es da sowieso nur Fleisch gab, sind wir danach dann noch mal in ein japanisches Restaurant gegangen. Ich liebe das Logo dieses Restaurants:

 

(Logo aus rechtlichen Gründen vorübergehend entfernt)
 
Weil Hu Nanxing und ich aber schon total satt vom Steakhouse waren, haben wir da nur ein Eis gegessen. Wobei man hier in China einfach alles ueber den Tisch tauscht, wir haben also kleine Schaelchen und Staebchen bekommen und los gings. Das ganze war in einer wirklich coolen Stadt - ich habe Fotos gemacht, die ich aber leider noch nicht einbinden kann. Hu Nanxing hat zwar ein passendes USB-Kabel aber irgendwie erkennt der PC die Kamera nicht. Nach diesem ernuechternden Versuch kam ihre Oma und hat uns eine Orange gebracht. Sie ist wirklich lieb. Schade, dass wir heute abend oder morgen frueh (steht noch nicht fest, vermutlich aber heute abend da wir sonst um 4h aufstehen muessten - waah!) in das andere Haus ziehen. Am Freitag geht es dann auch schon weiter auf Rundreise. Eigentlich waere ich gern noch laenger geblieben.

 

1 Kommentar 24.10.10 11:22, kommentieren

Es lebe icq2go \\ Facebook \\ Essgeraeusche \\ Hausaufgaben.

Halloechen,

ich bins mal wieder aus dem Reich der Mitte (Zhōngguó, ausgesprochen ca. tschongguo (hinten hochgehen, die Accents werden hier so gesprochen wie sie geschrieben werden: ein gerade Strich bedeutet auf einer Tonhoehe, einer nach oben mit der Stimme hochgehen, einer nach unten das Gegenteil und ein Buchstabe mit v-Accent - also umgekehrt ^ - wird erst nach unten und dann nach oben gezogen - wie mans liest eben),

es gibt Neuigkeiten.

Zuerst die gute: icq2go funktioniert auch in China!! Juhu! Kontakt zur Aussenwelt! Ich habe naemlich feststellen muessen, dass chinesische Sim-Karten in meinem Handy nicht funktionieren. Zumindest nicht die, die ich ausprobiert habe. Naja, ist ja nun auch ueberfluessig.
Jetzt die schlechte: Leider gibt es ja eine Zeitverschiebung. Hier ist es also gerade 11.13h am waehrend es in Deutschland noch 05.13h am ist - ich kann also mit niemandem schreiben. Gestern nacht hatte ich immerhin noch das Glueck und habe Verena und Fienchen erwischt. Jetzt wird sich offenbaren, ob auch vor 6h morgens jemand online ist. Und tada, wer haette das gedacht: Einige Internetsuechtige, deren Namen ich hier aus datenschutztechnischen Gruenden mal lieber nicht nenne. :D Trotzdem nicht gerade eine gute Ausbeute und auch nicht unbedingt die, die ich erwischen wollte. Naja. Pech.

Und noch eine schlechte Neuigkeit: Facebook funktioniert nicht, wie vielleicht auch einige der anderen China-Fahrer mittlerweile bemerkt haben muessten. Aus unerfindlichen Gruenden wird man erst auf Google weitergeleitet und wenn man dort Facebook anklickt, ist auf einmal die Internetverbindung weg. Warum wohl.. Dubios ..... (Fuer die, die es nicht gemerkt haben: *Ironie-Schild-wedel*)

Das wirkt hier zwar gerade etwas destruktiv aber es gibt noch eine dritte schlechte Nachricht: Nicht, dass ich das nicht schon vorher gewusst haette, aber in China sind Essgeraeusche ein Zeichen des Wohlgefallens und des Appetits. Wie es der Zufall will, habe ich eine klitzekleine Essgeraeusche-Phobie. Mittlerweile habe ich mich allerdings daran gewoehnt (wobei es immer noch bei einigen Dingen aufhoert: Lautes Schmatzen - okay. Weniger tolerant bin ich, wenn das hemmungslose Ruelpsen anfaengt.. Aber nun gut. Andere Laender - andere Sitten..) und fange teilweise sogar selbst damit an (nur mit dem Schmatzen versteht sich..). Wenn ich das naemlich nicht tue, werde ich gleich gefragt, ob es mir nicht schmecken wuerde u.Ae. ...

Heute morgen hatte ich dieses Problem nicht: Es ist Sonntag und ich konnte aufstehen, wann ich wollte. Da ich den gestrigen Abend damit verbracht habe, eine kleine fiese Muecke, die Spass daran hatte, summend um meinen Kopf zu fliegen, zu erlegen und auch danach Einschlafprobleme hatte, tat ich das auch. Und stand um sagenhafte 9.36h auf (fuer euch vielleicht 3.36h). Dies fuehrte allerdings dazu, dass ich alleine gegessen habe (schmatzen musste ich aber trotzdem, die Oma, die hier im Allgemeinen fuer das Essen kochen zustaendig ist, sass am Wohnzimmertisch und das Wohnzimmer geht in den Essbereich ueber). Naja, macht nichts. Derweil hatte Hu Nanxing schon mit ihren Hausaufgaben begonnen. Die moechte sie naemlich heute alle machen - den ganzen Tag lang. Ihr fragt euch vielleicht genau wie ich, warum das denn jetzt so lange dauert. Die Antwort wusste ich sofort, als ich mich zusammen mit dem Laptop zu ihr setzte (wo ich auch jetzt noch sitze): Chinesische Schueler machen ihre Hausaufgaben nicht anders als deutsche. Was soviel heisst wie: Sie haben zwar kein icq, was sie von der Arbeit ablenkt, aber dafuer liegt das Handy immer griffbereit. Und - 'ich schwoer' - sie kriegt ca. alle 2 Minuten eine neue SMS oder einen neuen Anruf. Die sie natuerlich alle beantwortet.. Das ist ueberhaupt so eine Angewohnheit der Chinesen: Alle und ich meine wirklich alle sind staendig am telefonieren oder SMSen.
Uebrigens hat Hu Nanxing eine leichte Abneigung gegen Chemie, wie ich bei einem Blick in ihr Chemie-Buch erfahren habe. *Huestel*

Heute nachmittag ist der Besuch eines westlichen Restaurants geplant. Ich bin gespannt. Vielleicht treffe ich ja wieder jemanden aus Europa oder so. Habe naemlich (das habe ich gestern vergessen zu erwaehnen) in dem Teehaus (wo die Gesangsshow war) eine Deutsche getroffen, die in Beijing wohnt und zusammen mit einem Kollegen auf der Expo in Shanghai war (sie meinte es ist brechend voll, da die ja am 31.10. zumacht - verdammt, warum muessen wir am 30.10. hingehen?!? Aber dafuer soll man als Deutscher mit deutschem Pass an der Schlange vor dem deutschen Pavillon vorbeikommen..) und sich nun noch ein bisschen die Gegend angucken wollte. Es war entspannend zu sehen, dass die anderen uns mal nicht verstanden und diesen glasigen Blick bekamen. Leider hatte auch sie keinen Tipp gegen das staendige Tee-Nachschenken ('einfach den Rest stehen lassen').

Morgen gehts dann zum ersten Mal in den Unterricht. Ich glaube Kampfkunst ist angesagt, muss aber nochmal nachgucken. Das Fach gibt es nicht im normalen Lehrplan meint Nancy (Hu Nanxing), wahrscheinlich machen sie das extra zum Kennenlernen fuer uns. Ausserdem ziehen wir morgen in das 'second home' nahe der Schule um, damit wir nicht jeden Morgen und jeden Abend eineinhalb Stunden lang fahren muessen. Verstaendlich. Mal sehen wie das so wird und ob ich da auch Internet habe. Auf jeden Fall ein eigenes Zimmer meint sie, allerdings ohne eigenes Bad. Und wir leben dort mit ihrem Bruder und ihren Grosseltern muetterlicherseits zusammen.

So, ich bin erstmal weg. Da ich mich heute nachmittag langweilen werde (ihr erinnert euch: Hu Nanxing macht Hausaufgaben), werde ich vermutlich nochmal etwas posten. Man wird sehen.

Ich wuensche euch allen einen guten Tag (Nǐhǎo) bzw. fuer manche einen guten Morgen (Zǎoshànghǎo)

Johanna

PS: Hu Nanxing mag HaRiBo-Goldbaeren..

1 Kommentar 24.10.10 05:52, kommentieren

Es riecht nach China \\ Pink!!! \\ Coca Cola \\ Xièxie.

Hallo ihr da draussen,

dies hier ist mein neuer Blog auf dem ich allen, die es wollen, berichte, wie meine China-Reise verlaeuft und was ich so erlebe. Also fange ich doch gleich mal an:

Alles begann ganz harmlos am Hamburger Flughafen. Nach dem ca. einstuendigen Flug nach Amsterdam dann dort zwei Stunden Pause. Boarding fuer Flug KL0895 nach Shanghai (Flughafen Pudong) - und dann ging das Abenteuer los. 10 Stunden Flug auf ca. 0,5 x 0,6m, so weit so gut. Natuerlich habe ich mich schon aufs Flugzeugessen gefreut (welches ich zum Glueck im Gegensatz zu den meisten Leuten sehr gerne mag). Leider sollte ausgerechnet mir, die ich mich als einzige auf das Essen gefreut hatte und genau in der Mitte des mehr als 80-reihigen (!) Flugzeugs sass, sodass alle ihr Essen vor mir bekamen, mein Wunschmenue (LEICHT scharfer Reis mit Beef und dazu einige Salate und Brot) versagt bleiben. Komischerweise habe ich es dann doch bekommen - naechster Schock: LEICHT scharf war nicht leicht scharf sondern chinesisch leicht scharf. Fuer ungewoehnte Westler wie mich also hoellisch scharf. Dies und ein Spekulatius-Eis (sehr lecker) um Mitternacht bzw. 6h morgens chinesischer Zeit (warum auch immer) fuehrte zu einem Flug voller Magenkraempfe, die sich zum Glueck bei der Ankunft grossteils verfluechtigten. Erster Eindruck: Es riecht nach China! An den Geruch konnte ich mich sogar noch von frueher erinnern.

Angekommen in Shanghai (sehr sehr muede nach einer Nacht mit ca. 30 Minuten Schlaf mangels bequemer Sitz- oder Liegemoeglichkeit, in Jogginghose und Chiller-Pulli) dann erstmal Verwirrung: Die angekuendigte, deutschsprechende Chinesin war zwar da, wusste jedoch nicht, wo jetzt unser Bus steht. Das hat sich dann zum Glueck alles geklaert und wir sind puenktlich um 15h (9h deutscher Zeit) in der Huashi High School angekommen. Da wir noch bis 16h (zu der Zeit sollten uns die Gasteltern bzw. -geschwister abholen) Zeit hatten, wurde uns erstmal die Schule gezeigt: Ein riiiiesiges Gelaende, tolle Sportanlagen, Verwaltungsgebaeude und Aussenanlagen und sehr sehr viele Schueler, die alle waehrend der Woche dort leben (unter sehr schlechten Bedingungen, von 'Lochklo' und Dusche mal ganz abgesehen gab es weder Lattenroste (Bretter) noch Matratzen (duenne Decken auf den Brettern)) und just als wir aus dem Verwaltungsgebaeude traten vor uns ihre taeglichen Sportuebungen begannen! Diese bestehen aus einem Dauerlauf um das gesamte Schulgelaende (das klingt vielleicht nicht viel, es ist aber sehr gross, diese Jugendlichen sind alle fit..) und enden in einem kleinen Aufmarsch auf dem Sportplatz bzw. dem Hof. Wo wir dann auch standen und uns ploetzlich von gefuehlt 300 Chinesen umgeben sahen, die uns alle sehr neugierig ansahen und tuschelten - auf dem Hauptgebaeude war schon den ganzen Tag ein Leuchtspot mit der Aufschrift 'Willkommen Gaeste aus Klaus-Groth-Schule' und dem gleichen nochmal auf chinesisch gewesen. Da habe ich dann auch zum ersten Mal meine Chinesin Hu Nanxing wiedergesehen, die mich zum Glueck gleich erkannt und mir zugewinkt hat. Das war sehr erleichternd, da ich bis zu dem Zeitpunkt schon ein bisschen Angst hatte. Dann der erste Kulturschock: Ein paar von uns wollten im Verwaltungsgebaeude aufs Klo gehen - die Toiletten bestanden aus einem Loch im Boden und hatten sehr sehr sehr niedrige Waende...

Spaeter gingen wir dann mit unseren Familien nach Hause. Meine Gastmutter spricht zwar kaum Englisch, genau wie saemtliche Grosseltern, dafuer aber meine Chinesin selbst und ihr Vater, der Ingenieur ist. Dabei erfuhr ich, dass meine Familie hier 2 Wohnungen besitzt: Eine nahe der Schule und eine nahe Shanghai. Um mir gleich einen besseren Eindruck zu vermitteln ('more suitable') fuhren wir erst einmal in die Wohnung nahe Shanghai. Vorher holten wir allerdings noch ein paar Sachen aus der ersten Wohnung. Dort sah ich dann auch gleich Hu Nanxings Bruder (der ist 21 und arbeitet schon, konnte aber nur kurz hallo sagen) und ihre Oma (die Mutter ihrer Mutter, sprach nur chinesisch aber begruesste mich stuermisch, war sehr nett und aufgeregt, lachte sehr freundlich und gab uns gleich Suessigkeiten). Angekommen in Shanghai (nette Wohngegend, morgens laut aber das ist hier ueberall so, bewachte Anlage, huebscher Garten mit chinesischer Teichanlage) ging es erstmal hoch in den 6. Stock (nach deutscher Rechnung 5. Stock), dann die Ueberraschung: Tuer auf und was sehe ich? Hohe Decken, Desinmoebel, riesiger Fernseher, moderne Kueche, ein Zimmer mit modernem Bad (und Westtoilette!!) fuer mich allein (eigentlich Hu Nanxings, sie ist derweil nach nebenan gezogen) und natuerlich ist ihr Zimmer komplett rosaweiss. Und das meine ich ernst: Weisse Waende, weisse Gardinen und schwarzweisser Schrank. Ansonsten ein rosa Bett aus Kunstleder, dazu passende Nachtschraenkchen, rosa Rueschenbettwaesche und rosa Kronleuchter. Und natuerlich jede Menge kitschige Teddybaeren. Fuer interessierte: Sie liest auch Twilight, hat sie mir gezeigt - natuerlich in Schriftzeichen.. Sie hat alle Buecher. Habe dann gleich erstmal die Aussicht fotografiert, leider im Dunkeln, dafuer sieht man die wundervollen Lichter von Shanghai. Im Hellen dafuer auch die Baustelle von nebenan.

Nun zum Essen: Das Abendessen ist immer SEHR lecker. Es gibt fuer jeden eine Schale Reis (das klingt nicht viel, ist es aber) und dann ganz viele kleine Schuesseln auf dem Tisch, aus denen man sich mit seinen Staebchen (natuerlich habe ich es all die Jahre lang falsch gemacht und musste umlernen - alle meinen aber ich mache Fortschritte..) etwas nimmt und es zusammen mit dem Reis verzehrt. Komische Angewohnheit dabei: Es gibt haeufig Kokosmilch zu trinken. Ist jetzt nicht so mein Fall ehrlich gesagt. Aber ich probiere einfach alles (ja Mama, nur gekochtes bzw. originalverpacktes). Heute morgen dann aber der Schock: Zum Fruehstueck extra fuer mich als Westlerin eine Art Toastbrot (so weit so gut) mit Fleisch und Ketchup (nicht mehr so gut..). Habe dann unter dem Vorwand, etwas von der Kultur mitbekommen zu wollen, von Hu Nanxings chinesischem Brot mit Fleischfuellung gegessen und dazu bekam ich ein gekochtes Ei. War deutlich besser.. Puenktlich zum Fruehstueck kam dann auch die Familienschildkroete auf den unter den Tisch. Die ist total niedlich, hat aber wie ich schockiert feststellen musste keinen Namen. Und sie wird mit Fuessen getreten!! Dies ist an PETA: Bitte sorgt fuer bessere Tierschutzbestimmungen in China! Dieses Tier wird mit den Fuessen ueber den Fussboden geschubst, auf den Ruecken gedreht und lebt auf einem Balkon ohne jegliches Gruenzeug, Sand oder aehnliches.

Dann haben wir einen Ausflug nach Suzhou (ausgesprochen Sudscho - ich habs natuerlich erstmal mit Suschu probiert..) gemacht. Dort gab es eine interessante Altstadt, eine Bootsrundfahrt mit einer sehr netten Ruderfrau, die uns unterwegs mit Gesang unterhalten hat und mich sogar ans Ruder gelassen haette (das habe ich aber aus Sicherheitsgruenden fuer die anderen Flussbefahrer lieber sein gelassen), das Suzhou Museum, Lunch in einem chinesischen Restaurant, wo wir drei nette Amerikaner getroffen haben, die noch weniger mit Staebchen essen konnten als ich (in dem Restaurant habe ich auch das erst Mal wieder etwas Westliches zu mir genommen: Noch nie im Leben war ich so froh ueber eine Coca Cola) und einen sehr huebschen botanischen Garten. Darin war auch ein chinesisches Teehaus, wo wir Tee getrunken haben (hier bezahlt man einmal ca. 3Yuan (1Euro = ca. 7Yuan) und bekommt staendig nachgeschenkt, was zu einem hohen Teekonsum fuehrt) und chinesische Opernlieder von zwei dort arbeitenden Musikern gehoert bzw. angesehen haben (die sucht man sich zusammen mit dem Tee auf der Karte aus). Es existieren Videoaufnahmen.. Leider hat es unentwegt und immer heftiger geregnet, weshalb wir irgendwann auch froh waren, wieder nach Hause zu fahren. A propos nach Hause fahren: Der Strassenverkehr hier laesst sich nur mit einem Wort beschreiben. Wild. Ein Beispiel: Vor uns gab es einen Unfall. Aber anstatt sich gesittet zu verhalten, schubsen sich die Autofahrer gegenseitig durch eine winzige verbleibende Luecke auf der Strasse und beschimpfen sich dabei durch die geoeffneten Fenster. So viel dazu.

Waehrend meiner kurzen Zeit hier habe ich uebrigens schon ein wenig chinesisch gelernt. Vielleicht habt ihr euch schon gefragt, warum mein Name hier 'Xièxie' ist. Das ist chinesisch und bedeutet 'danke', ausgesprochen wird es ungefaehr wie 'chiae chiae'. Nach 'Nǐhǎo' war das mein erstes Wort und es kommt hier relativ haeufig zur Anwendung. Ich bedanke mich einfach fuer alles, um moeglichst hoeflich zu sein. Das kommt an: Sobald ein Chinese es hoert, freut er sich wie ein Schneekoenig, dass ich versuche, seine Sprache zu sprechen. Auch meine Gastgeschenke sind angekommen - Niederegger Marzipan ist der Renner.

So, ich glaube das reicht jetzt erstmal. Ich gehe dann auch mal ins Bett. Bin total muede - ich glaube ich habe immer noch einen kleinen Jetlag. Es ist hier ja auch schon nach 22h. Ich hoffe ihr koennt mir eventuelle Tippfehler verzeihen (die Tastatur ist anders, muss mich erst dran gewoehnen). Bilder gibt es spaeter oder wenn ich zurueck bin (der Laptop hat keinen Speicherkartenschlitz). Ich mache hier einen auf chinesisch und fotografiere einfach alles - sogar die Toiletten, zum Vergleich..

Liebe Gruesse in den fernen Westen

Johanna

7 Kommentare 23.10.10 16:28, kommentieren